ZUGER PRIVILEG
 

Matinee mit Leo Hafner, 22. November 2009



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Begegnung mit dem Zuger Architekten Leo Hafner

Wer sich für die bauliche Entwicklung der Region und der Stadt Zug interessiert, der hatte an diesem November-Sonntagmorgen eine gute Gelegenheit, vertiefte Einblicke in die Thematik zu erhalten. Im Mittelpunkt stand die Begegnung mit dem Schaffen des Zuger Architekten Leo Hafner, der in der Stadt Zug und in der Region wichtige architektonische Zeichen gesetzt hat.
Seit kurzen liegt mit dem Buch «LHA Leo Hafner Archiv. Bilder Plastiken Bauten» eine umfassende Archiv-Sammlung zu seinem Schaffen vor. Das Zuger Privileg hat diesen Anlass genutzt und nachgehackt. Zusammen mit dem Bauforum hatte es Gastrecht in den Räumen der Victor Hotz AG, wo im Zuge der Buchveröffentlichung Skizzen, Fotos, Zeichnungen und Skulpturen in einer Ausstellung zu sehen sind.
In kaum einer anderen Disziplin spiegelt sich die Zeit so deutlich wie in der Architektur. Auch und gerade im Werk und in der Gestalt eines so engagierten und vielseitig interessierten Architekten wie Leo Hafner. Keine Frage deshalb, dass Hafner die Matinee nicht einfach zur Rückschau in eigener Sache diente. Er nutzte die Gelegenheit, um ausgehend von seinen Erfahrungen Brücken in die Gegenwart und damit zu aktuellen Fragestellungen zu schlagen.

Hugo Sieber, Präsident des Bauforums Zug, umkreiste als Erster die unverwechselbare Statur des Zuger Architekten. Und nahm als Ausgangspunkt dessen Nähe zur bildenden Kunst. Frühe Zeichnungen, Bilder und Skulpturen, die neben den Skizzen und Fotografien zum Schaffen des Architekten in den Geschäftsräumen der Victor Hotz AG zu sehen sind, zeugen vom frühen Grenzgängertum Hafners und erklären die Ganzheitlichkeit seiner spätern Arbeiten als Architekt.
Hafner gehörte zur Generation der 2. Schweizer Moderne, die ihre Vorbilder in der klassischen Moderne weniger theoretisch als vielmehr in ihren Bauten weiterentwickeln wollte. Davon zeugt sein frühreifes Meisterstück, die Zuger Kantonalbank, am Postplatz. Andere überzeugende Resultate dieser lebenslangen Auseinandersetzung sind Hafner-Ikonen aus den vergangenen 50 Jahren wie das Seminar St. Michael in Zug, das Seminar Bernarda in Menzingen, zahlreiche Privathäuser und Geschäftsbauten (u.a. das Zugorama und das Haus Eichstätte), sowie die Kantonschule Zug, um nur einige zu nennen.

Spannend, wie sich Hafners Selbstverständnis dann im Gespräch mit dem Kunsthistoriker Pius Sidler konkretisierte und mit Leben füllte. Biographisches und Zeitumstände kamen zur Sprache. Die Begegnung und Zusammenarbeit des jungen Hafner mit dem Bildhauer Fritz Wotruba oder die Isolation der Schweiz um 1945. Für die Generation um den jungen Hafner waren die Umstände der Zeit nicht nur Einschränkung, sondern auch Chance, sich vertieft mit den Dingen auseinander zu setzten.

Aufschlussreich Hafners Antwort auf die Frage nach den Konstanten in seinem sich ab den 50ger Jahren explosionsartig entfaltenden Schaffen. Architektur als Marke, wofür zum Beispiel Mario Botta stehe, habe ihn selber nie interessiert, so Hafner im Gespräch. «Reduktion auf das Wesentliche», der Imperativ der Moderne, verband sich mit Hafners ausgesprochenem Interesse für die einzelne Aufgabe. Hier musste dieser Leitsatz sich bewähren – im Angesicht der konkreten Situation und nicht zuletzt im Dialog mit den Vorstellungen des Bauherrn.

Architektur als Passion – Hafner nannte es seine «Liebe zur Stadt Zug», weshalb er für diese Stadt etwas bewirken wollte, weshalb er Lust hatte, hier «die Verhältnisse aufzumischen». Die Planung des neuen Quartiers in Zugs Westen mit der Herti-Überbauung, die Idee eines Busbahnhofes beim Bahnhof Zug, die Ideen-Skizze zum Bau eines Kunsthauses bei der Schützenmatte am See sind Stichworte für solche «aufrührerische» planerische Projektideen über den Tag hinaus.
Dass einiges davon viel später realisiert, anderes wieder neu diskutiert wird, gibt zu denken, erstaunt indes nicht wirklich.
Auch nicht Hafners vorsichtig formulierte Diagnose einer «gewissen Planungsresistenz der Stadt Zug». Bei aller Verschiedenheit der Verhältnisse von heute zu damals – «zu unserer Zeit gab es Brachland in Hülle und Fülle, die Konkurrenz unter den Architekten war kleiner und der Städtebau fand noch nicht in der Verwaltung statt» – vermisse er auch heute den Mut zu Visionen. Leo Hafners Vorschlag, wie der Sinn zukünftiger Zuger Stadtregierungen für visionäre Ideen geschärft werden könnte: Die Bildung eines Kreativ-Teams, das alle in der Vergangenheit bereits angedachten Ideen und formulierten Visionen festhalten und diese in einer Art Handbuch an jede neue Stadtregierung weitergeben würde. Auf dass dieser Schatz nicht wie bisher unbemerkt in Schubladen verschimmelte, sondern für anstehende Aufgaben genutzt werden könnte.
 

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