ZUGER PRIVILEG
 

Pater Martin Schmid aus Baar, 18. Mai 2010

Ein Baarer Pater hat die Kultur Südamerikas beeinflusst. Ein Nachkomme hat sich auf Spurensuche begeben.

Von Monika Wegmann / Neue Zuger Zeitung

Obwohl der Baarer Missionar Martin Schmid schon vor über 200 Jahren verstorben ist, lebt sein humanistischer Geist in seinen Werken fort. Der Verein Zuger Privileg lud am Dienstag ins Lassalle-Haus in Bad Schönbrunn ein, dort wurde das Leben des Baarers aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet: Sein Ururneffe Thomas Schmid aus Zug zeichnete die wichtigsten Stationen seines Vorfahren auf, der im Haus Büel in Baar 1694 geboren wurde.

Ein vielseitiges Talent
Der Kulturingenieur Thomas Schmid begab sich während zwei Jahren in Paraguay auf die Spurensuche seines berühmten Ururonkels. Sehr detailliert und mit einem feinen Humor berichtete er über das vielfältige Wirken seines Ahnen bei den Indios in Paraguay. Es begann mit dem abenteuerlichen, vierjährigen Weg von Europa nach Südamerika. Diesen zeichnete Christian Rutishauser, Direktor des Bildungshauses Bad Schönbrunn, aus einem der Originalbriefe Schmids nach, die das Staatsarchiv eigens für eine Ausstellung zur Verfügung gestellt hat.
«Martin Schmid war in San Rafael des Chiquitos nicht nur als Priester tätig, sondern hat sich auch als hervorragender Musiker, Lehrer und Kirchenbauer engagiert», betont sein Ururneffe. Einige der Bauwerke, vor allem die aus Holz und Lehm erstellten Kirchen, zu denen in den Jesuiten-Reduktionen Pfarreisäle, Werkstätten und Unterkünfte für die Indios gehörten, sind noch erhalten. «Sie stehen heute unter dem Schutz des Kulturerbes der Unesco», sagt der Zuger Architekt Ruedi Zai, der nach einem Besuch vor Ort über die aus der Schweiz unterstützten Renovationsarbeiten berichtete.

Notenschatz wiedergefunden
Ganz wichtig war dem Missionar, dass er den Indios nicht nur den Glauben, sondern auch eine handwerkliche und musikalische Grundausbildung vermitteln konnte. Das erforderte Engagement und Fantasie, denn alle Materialien für Instrumente und Geräte mussten selber hergestellt werden.
Wie Schmid damals seinem Bruder schrieb, unterrichtete er die Indios, die keine Noten beherrschten, im Trompeten-, Orgel-, Harfen-, Geigenspiel und noch mehr: «Ich singe, spiele, tanze und psalmiere.» Die Stücke komponierte er selber. Bei den Renovationsarbeiten in den Achtzigerjahren stiess ein Schweizer Architekt bei der Suche nach Toilettenpapier zufällig in einer Schublade auf Noten des Missionars. Wie Thomas Schmid dem schmunzelnden Publikum erklärte, wurde sofort eine Rettungsaktion für die Musikalien eingeleitet.

Werke werden noch gespielt
Die Indios waren mit Feuereifer bei der Sache, und so ist die Musik von Martin Schmid noch allerseits präsent. Seine Werke werden in der Region von Asunción noch immer gespielt, wenn alle zwei Jahre das Barockmusik-Festival stattfindet. In seinem Geist wurde auch das Jugendprojekt Sonidos de la Tierra initiiert, an dem bereits mehr als 10 000 Jugendliche aus armen Familien teilnehmen konnten.
Eine Kostprobe der Musik, die Schmid komponiert hat, gab eine Gruppe von jungen paraguayischen Musikern von Sonidos de la Tierra. Sie bewiesen ein exzellentes Können und liessen hören, dass nicht nur Instrumente aus Edelholz, sondern auch aus Müll fantastisch klingen können. 

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