ZUGER PRIVILEG
 

Maibummel mit Überraschung, 20. Mai 2011



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Privilegiert Bummeln

Das Wort „Maibummel“ ist ein Helvetismus:
Also eine Bezeichnung, wofür es keinen gemeindeutschen Ausdruck gibt. Sie können ein gemeindeutsches Wort ersetzen oder neben einem solchen Wort verwendet werden.
Aber den Maibummel des Zuger Privilegs als Maiwanderung zu bezeichnen, nein, das würde allzu weit führen und nicht unbedingt den Tatsachen entsprechen.

„Bummeln“ allerdings, das trifft diesen Anlass schon eher:
1. ohne Eile und ohne konkretes Ziel spazieren gehen
2. seine Arbeit sehr langsam (u. planlos) machen ≈ trödeln
3. nichts Produktives tun ≈ faulenzen
Nun, auch diese Definitionen stimmen nicht ganz, suchen wir also noch die Alternativen zum Wort bummeln und da fallen schon eher die richtigen Worte: lustwandeln, spazieren, schlendern, flanieren, promenieren!

Ein Maibummel sollte es sein, so der Vorstand, mit Musik der deutschen Romantik, lauem Lüftchen, Blüten, frischem Gras, Grün, Gesang, etwas Kleinem zum Essen, Spazieren oder eben Lustwandeln…

Dieser wunderschöne Maitag hielt genau das, was er versprochen hatte, es reichte für einen lauen, zugegebenermassen ab und zu luftigen, Maiabend.
Die Bummler versammelten sich am Bahnhof in Zug und wurden flugs mit dem Bus in die Langrüti gefahren. Und schon gab es die erste Überraschung: Georg Frei, der Kantonale Denkmalpfleger führte die Privilegierten in die alten Stallungen von George Page. Er zeigte uns die „Shedhalle“, die wie eine Fabrik gebaut ist, aber ein Rinderstall ist. Zum ersten Mal ist diese Halle leergeräumt und die äusserst sanften Renovationsarbeiten gehen dem Ende entgegen. Als erste durften wir nun diese Halle besichtigen und bestaunen.

Kaum aus der Halle getreten erwartete uns bereits ein Ohrenschmaus, denn unter den Bäumen auf dem Langrütihof, empfingen uns Mirjam Lüthi und Julia Schiwowa, zwei Sängerinnen, die uns so mit einigen Mailiedern Mendelsohns verwöhnten.

Und da ging es dann zur Sache, Bummeln nicht als Trödeln und auch nicht ohne konkretes Ziel, aber einfach so in den Abend hinein, dem See entlang bis nach Buonas. Vorbei an einzelnen Greens des Golfplatzes, an satten Wiesen, an Villen von Vielbeniedenen (wie um Himmels Willen haben die es seinerzeit geschafft, an so einem Ort bauen zu dürfen), an etwas verwunschen alten Bauernhäusern bis zum Schloss Freudenberg. Und da, ja da in der fast „Hohlen Gasse“ erwartete uns die nächste Gesangsüberraschung der beiden Damen. Sie kämpften an mit Schumanns Liedern, «von Vögeln die zwischern …» und «Liebe die spriesst …», gegen den Wind – und es gelang. Jogger und Biker zeigten sich etwas irritiert durch die plötzlich aufgetretene Menschenmenge, die da fröhlich und zufrieden den wunderschönen Klängen lauschte. Nur eine Amsel war mit der Konkurrenz nicht zufrieden und protestierte vehement. Man liess sie grosszügig gewähren, man war ja schliesslich am Bummeln…

Und noch ein Weilchen lustwandeln, vorbei am Landgut und seinen Gärten hin nach Buonas und da war endlich das Ziel, der Schiffssteg zu Buonas! Es erwartete uns Bruno Camenzind auf seinem Nauen.
Rasch geentert, dieses gemütliche Gefährt! Feine geräuchte Fischhäppli vom Fischer Wismer luden gluschtig ein, sich zu setzen und kaum einer konnte sich mit Zulangen zurückhalten.
Leinen los - die Fahrt führte in die Nacht hinein vorbei an Buonas, Risch und dem Chiemen fast bis nach Walchwil und dann langsam wieder zurück nach Buonas. Bestaunen konnte man wieder einmal die gediegenen Liegenschaften mit Seeanstoss – später einfach nur die Stimmung auf dem See; fachsimpeln durfte man mit der Nauenbesatzung; dem Wein wurde zugesprochen und dazu gab es schlicht und einfach Spareribs und Bratwürste vom Grill.
Und als Dessert feinste Gesangsunterhaltung: Humorvoll, pikant, fröhlich, lustvoll, sehnsüchtig, verliebt, die beiden Damen unterhielten uns perfekt!
Chaqu’un à son goût – Seele baumeln lassen – parlieren – trinken – staunen, all das, worauf man Lust hatte….

Und plötzlich, plötzlich war da wieder der Schiffssteg und es hatte sich ausgebummelt!

Ach, wie schön doch Bummeln ist, so richtig trödeln, geniessen, lustwandeln. Helvetismen haben es definitiv in sich, oder!?
 

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