ZUGER PRIVILEG
 

Generalversammlung mit Celloteilung, 06. Februar 2012


Der rote Pfeil mit dem Extramotor, damit er es über den Gotthard schafft, die beiden japanischen Musiker mit dem unsagbaren Instrument, die Matinée Culinaire mit Spinatmocken und schierem Übermass an Leckerbissen; der Verein Zuger Privileg hat einiges erlebt im letzten Jahr. Gerade ist Generalversammlung im kleinen Casinosaal. Man hat sich durch gefrorene Strassen und Eisstaub gekämpft, der Kleiderständer ist überladen mit schichtenweise Winterkleidung. Drinnen ist Heiri Scherer, der Präsident des Vereins, und lässt alle Unternehmungen Revue passieren. Und der Saal lacht und murmelt zustimmend, es sind gute Passagen: King Pepe etwa, der just vor dem Auftritt beim Privileg noch den Berner Kulturpreis ergattert hat, oder Philipp Bloms Vortrag über die bösen Philosophen. Und der Ausblick sorgt für staunende Ohs und Ahs: Die nächste Matinée Culinaire ist schon geplant, diesmal mit einem Food Scout, der die Früchte seiner Nachforschungen aus aller Welt präsentiert, und dessen Kulinarische Entdeckungen auch gleich gekocht und verköstigt werden können. Budget dafür hat man, der Verein ist gesund, sagt Kassier Holger Wanke. "Und zur Erinnerung", sagt Scherer, "wir sind der einzige Kulturverein im Kanton, dessen erklärtes Ziel es ist, ohne Geld von Kanton und Stadt auszukommen." So weit ist das gut gelungen, trotz kleinem Verlust: Der rote Pfeil hat tief ins Budget geschlagen, aber darüber mag sich niemand ärgern: "Das war wirklich ein genialer Tag", sagt Wanke, so genial, dass sogar ein paar neue Mitglieder zum Zuger Privileg gestossen sind, 376 sind es jetzt insgesamt. Und dann ist schon vorbei mit Generalversammlung, jetzt kommt Kultur.

Das Duocalva macht Cellocomedy, aber das merkt man früh genug: Da steht einer, im weissen Jackett, und macht sich bereit für das beste cellistische Vorstellungsgespräch überhaupt. "Denn wenn ich mich für eine Orchesterstelle bewerbe", sagt Alain Schudel und streckt das Kinn so weit nach vorne, dass man sich unwillkürlich etwas zurücklehnt, "dann bekomme ich sie auch." Notfalls mit dem Elfentanz von David Popper aber doppelt so schnell: Schudel rast mit den Fingern übers Cello, und sein Kontrahent Daniel Schaerer steht ihm in der Raserei nichts nach: Die beiden fiedeln sich um Kopf und Kragen und überhäufen sich zu allem Überfluss mit Schimpf und Schande: "Von Elfen keine Spur, und deine Finger sind ja völlig übersäuert", sagt Schaerer, und übersäuert ist auch Schudels Mimenspiel, weil emotional im roten Bereich. Die beiden labern sich in Rage, bis man vor lauter Lachen findet, sie würden lieber den Mund halten, damit man die beiden Celli hören kann: Wunderbar warme Töne legen sich, wenn sie vom Klamauk verschont bleiben, um die Ohren, inklusive eigenwilliger Medleys aus Bach und "Ewigi Liebi". Aber dann ist der Kampf erst richtig angesagt: Schudel und Schaerer verfolgen sich durch Rossini´s Willhelm Tell, angereichert mit Bonanza und Gesangeinlage: "Go tell it on the the mountain." Alles für den Tell, Hauptsache, die Beiden spielen weiter: Wunderbare Vielstimmigkeiten und feines Spiel. Erst wenns rasant wird leidet die Intonation, etwa wenn sie sich andächtig an Maria wenden für göttlichen Beistand: Die beiden spielen vierhändig auf einem Cello Gounods Meditation über Bachs Preludium No. 1., je zwei Hände, Kopf an Kopf, aber die Eintracht ist nur kurzweilig: "kannst du nicht ein Mal den Kebab ohne Zwiebeln essen?" Der Saal lacht und staunt, über Engelsvisionen auf Rollschuhen und salomonische Celloteilung. Und ab und zu lassen sich die Beiden auch auf die Musik ein, die sie spielen. Und das ist wunderbar. Kein Wunder verkündet am Schluss die Jury einstimmig, wenn auch erst nach drastischer Zensur: "Auf Sie beide hat die Welt gewartet."  

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