ZUGER PRIVILEG
 

Spiegelungen - eine Klangmalerei, 06. April 2017



Mehr Bilder zu diesem Anlass

Das neue Zuger Privileg präsentiert: SPIEGELUNGEN
mit Monica Kummer und Esther Bächlin
Farbe und Form mit Piano und Gesang

Rückblick auf ein sinnlich-feinens Vorabendhäppchen:

Wer im Kanton Zug unterwegs ist, begegnet ihr taktfahr-planmässig: Monica Kummer ist Gestalterin des Logos, das auf allen ZVB-Bussen prangt. Die Grafikerin und visuelle Gestalterin produziert nicht nur Gebrauchsgrafik. Sie beschäftigt sich, unter anderem auch mit dem Wechselspiel von Farbe, Form und Mensch. So hat sie Color IDs geschaffen, mit denen sie eine Person intuitiv in «ihren» Farben erfasst und wiedergibt.

Auch von Musik lässt sie sich inspirieren und schafft in der Performance «Spiegelungen» vor den Augen des Publikums, für alle sichtbar auf Leinwand projiziert, Farb- werke zu improvisierten Klängen der Pianistin und Vokalistin Esther Bächlin, Gewinnerin des ersten internationalen Improvi-sationswettbewerbs Aarau 2016.


Was also hat stattgefunden:
Während der Vorstellung versuchte ich intuitiv aufzu- schreiben, was ich sah, hörte und dabei fühlte. Dieser „Mitschnitt“ war ein Experiment meinerseits die Performance der beiden dynamischen Frauen in spontanen Worten aufzuzeichnen und festzuhalten.

Es ist anzumerken, dass die hier geschriebenen Worte den Eindruck vor Ort und die Spontanität der Aufführung nicht wiedergeben können. Auch die angehängten Bilder nicht. Denn das Wesentliche kann im Nachhinein nicht wiedergegeben werden.

Der Prozess des Entstehens war das eigentliche Ereignis, und das ist vorbei.


Ich versuche dies trotzdem:
Der Dachraum der Kantonsbibliothek Zug ist die Hülle des Szenarios, welches uns an diesem Abend erwartet.

Wir sehen rechts im Raum ein recht grosses Künstleratelier mit allen Utensilien zum malen, zeichnen, schneiden, ... .

Rechts steht ein rotes schlichtes E-Piano und zwei Lautsprecher.

Es sind da auch eine Leinwand und ein Beamer. Sie werden das Kommende sichtbar für alle machen. Angesteuert werden sie von der Kamera, welche an einem Stativ direkt über dem Arbeitsplatz der Künstlerin montiert ist. So können wir Gäste dem Entstehen der Bilder von Monika Kummer zusehen und der von Ester Bächlin spontan und intuitiv improvisierten Musik und Gesangswelt zuhören.

Bereits die Begrüssung ist eine erste Klangfärberei fürs Aug und fürs Ohr. Das Klavier spielt ein Intro, das passt ganz genau.

Es folgt ein aktiver Einbezug der Teilnehmenden mit Zetteln zum Notieren von Begriffen und Themen, die in der Folge von den Künstlerinnen umgesetzt werden. Die ca. zwei bis drei Minuten pro Bild sind schnell um.


Freundschaft:
Die Umsetzung beginnt ganz spontan mit Bleistift als vorgängiges Bildgerüst. Die Farbe bringt Freundschaft. In schnellen Strichen und mutigen Farben füllt sich das Werk. Freundschaft fürs Leben ist voller Farbe und Klang.

Lebensbeginn:
Lebensbeginn mit dynamischer Musik und zentralbunter Formenmalerei. Schnell entsteht ein Herzlebensbaumkreis. Stehend auf gutem Grund, mit gutem Fundament und einer Vielfalt an Formen, Tönen, Farben und Licht.

Fröhliche Depressionen:
Mit schweren Klängen entsteht ein farbiges Wirrwarr auf schwarzem Hintergrund. Dabei kommen Lichtfetzen bunt und lebendig daher, sich gegen das Dunkel wehrend. Fröhliche Tonfolgen mit einer gewissen Dissonanz unterlegt. Fragende Augen mit staunendem Mund bleiben zentral, bis dass die Stille das Schaffen beendet.

Mich:
Mit leichtem Gesang beginnt das "mich" zu entstehen, begleitet von klaren Strichen und vokalen Klängen. Das "mich" zeigt Freude und Leben mit freier Pianoimprovisation. Und plötzlich wird´s Wasser und Licht und Leben. Als Geschenk verpackt der Eingang fliessend im Leben.

Ostern:
Eine Blume in Gelb kommt von oben ins Bild. Gelb tropfts aus ihr, ins Tonbild ergiessen sich die Klänge. Frei und dynamisch füllt sich der blaue Kelch. Mit Wogen und Bogen, Stakkato und Spiel. Bunte Punkte beleben das Bild. Sind’s Eier? Zarte Töne, lang und klar und schnell, begleiten das Werk bis Ostern.

Wüste:
Die Fingerspitzen bringen den Rhythmus, ein Horizont entsteht im Bild. Das Piano getätschelt, das Bild als Wüste entsteht. Unten der Sand, oben das Licht. Weiterhin tätschelts und klingts am Piano, was langsam den Punkten im Himmel über der Wüste entspricht. Da oben sind Punkte und Töne vereint. Der Weg führt durchs Bild: "Nu wiiter, nu wiiter", die Stimme erklingt. Der Himmel wird gelber, ja roter im Nu. Es nachtet ein im Bild, die Töne gehen zur Ruh. Stille entsteht; die Wüste bleibt stumm.

Fliegen für Judith:
Der fröhliche Klang lässt einen Schmetterling entstehen. Mit Tango begleitet, erbaut sich ein Haus. Die Fenster schematisch, die Klänge ganz satt. Die Stadt entsteht und lebt. Dunkel ist´s in den Gassen. Ganz bunt und fröhlich in weiblichen Farben erscheint nun der Schmetterling und setzt den benötigen, fröhlichen Kontrast.

Burning Desire:
„DESIRE“ brennt auf dem farbigen Bild, wird zur Asche und liegt nun ganz still.
Die Musik ist ganz höflich und rollt in das Werk. Es entsteht eine Pause in Ruhe mit Ton.
Im Nachgang riechts brenzlig. Was das wohl bedeutet?

Leben:
Das Leben erklingt, das Bild ist noch leer. Striche entstehen in Schwarz, vorerst noch wild. Ein Labyrinth scheint zu wachsen. Gefühlt sind die Klänge schon ganz bunt gemischt. Was nun auf dem Bild sich fortsetzt und schnell mit ausbreitenden Farben verbürgt.

Aufbruch:
"Söli oder söli nöd?", sagt die Stimme ganz schnell. Die Farbe entscheidet schon schneller und wird nun ganz braun. Gerissen in Streifen hat´s nun Platz auch für Grün in dem Braun. Die Schere als Werkzeug, mit Stimme und Piano füllt sich das Ganze, bewegt sich, und fort ist das Braun.
Blau, grün, gelb und ein Nachtbild bleibt übrig. Weiss sind die Reste. Die Musik wird deutlich, die Stimme tut‘s auch. "Söli oder söli nöd? Mit viel Farbe und Punkten, und nun ist es aus.

Finale:
Die Kugel in Blau rollt übers Bild, hinterlässt ihre Spur im optischen Werk. Begleitung kommt in Rot und auch in Gelb. Die Musik nun rollt und hüpft. Die Kugeln tun´s auch. Die Spuren sind Wege, sind nun alte Geschichten im doppelten Sinn.
Der Neustart in Rot endet geschwind. Es folgt eine Blaue, die kugelt dahin. Begleitet vom Klavier, denn auch die Töne, die rollen mit ihr.

..., und schon wars vorbei. Gross war die Freude für alle im Raum. Es war ein wirklich spannendes Erlebnis und einmalig dazu.

Danke Monica, danke Esther!



Für das Neue Zuger Privileg:
Adrian Wankmiller, 06.04.2017

Beachten Sie die weiteren Bilder, welche sie unter dem oberen Bild anwählen können.
 

Anlass drucken