ZUGER PRIVILEG
 

Jakob Tuggener, 24. März 2000


Zu einem Privileg ganz eigener Art wurden die Mitglieder des Zuger Privilegs in die Kunsthaus Zürich eingeladen. Dort wurden Fotos von Jakob Tuggener gezeigt. Der Fotograf Tuggener hatte einen Tick. Er fotografierte wie besessen Bälle. Die reichen Leute, die sich in St. Moritz, Zürich und Wien tummelten, Unmengen von Champagner und Schalentieren vertilgten, dabei nicht immer die Contenance bewahrten, hatten es ihm angetan. Während Europa am Ende des Zweiten Weltkriegs in Trümmern lag, Millionen von Menschen um ihr nacktes Überleben kämpften, feierten die Begüterten der Schweiz Silvester und Maskenbälle. Tuggener klagte nicht an, er beschrieb nur mit der Kamera, zeigte, dass das Glück auf der Insel der Seligen nicht wirklich selig ist. Er selber war, materiell gesehen, keinesfalls ein Seliger. In der Kunsthalle wurden Bilder gezeigt, die er selbst nie veröffentlicht hat, sondern die er mangels Nachfrage in seinem Archiv verschlossen hatte. Der Historiker der Schweizer Fotografie Martin Gasser hat sie ausgegraben. – Ein Lehrstück über Privilegien, die nicht wirklich genossen werden können. 

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