ZUGER PRIVILEG
 

Das Dekameron, 19. April 1999



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Centro Italiano Zugo


Ein grosser Sprung: Vom Arztroman der Gegenwart zurück ins späte Mittelalter nach Florenz und in die Toskana, in die Zeiten der Pest. Sie bot den Rahmen für eine Sammlung von Geschichten, in denen die Sinnenlust gegen das Verderben gestellt wurde. Das Dekameron des Boccaccio (1313 – 1375) galt lange Zeit als schlüpfrige Trivialliteratur. Der bekannte Philosoph Kurt Flasch, Mittelalterspezialist, hat während eines Florenzaufenthaltes angefangen, sich damit zu beschäftigen und das Dekameron neu zu übersetzen. Und siehe da, er entdeckte ungeahnte literarische Qualitäten. Das Zuger Privileg lud ihn daraufhin ein. Im gut gefüllten Centro Italiano fand ein ebenso unterhaltsamer wie informativer Abend statt.

Die Übersetzungen und Erklärungen Kurt Flaschs sind weiterhin im Buchhandel erhältlich und seien ausdrücklich empfohlen. Was aber hat das mit dem Zuger Privileg zu tun? Es ist nicht nur die Lust am Trivialen, das – aus genügend Abstand betrachtet – eines Tages nicht mehr trivial ist. Es ist auch nicht nur der Spass an dieser Verwandlung, sozusagen einer nachträglichen Adelung, was ja zum Priivileg gut passen würde. Nein, das Wichtigste ist das Ernstnehmen des „Menschlichen“, das leicht übersehen wird. Auf seine Weise geht das Zuger Privileg immer wieder zurück zu den Wurzeln – wovon später mehr. 

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