ZUGER PRIVILEG
 

In der Strafanstalt Bostadel, 28. Juni 2000



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Strafanstalt Bostadel Menzingen

Die besten Rätsel sind die, die allen vor Augen stehen, und kaum einer merkt es. Ein solches Rätsel ist das Gefängnis. Dass wir es brauchen, steht ausser Frage, aber wozu es dient, kann keiner so genau sagen. Dient es der Abschreckung? Doch wohl nicht, denn wer kalkuliert vor seiner Tat mögliche Strafmasse? Dient es der Sühne? Vielleicht, aber von Sühne mag das Strafrecht heute kaum noch sprechen. Bleibt also die Resozialisierung. Aber muss man wirklich Straftäter mit Straftätern zusammensperren, um sie wieder auf den Pfad der Tugend zu bringen?

Das Bostadel liegt im Kanton Zug auf dem Lande und dient als Vollzugsanstalt für schwere Straftäter. Wie sieht solch eine Strafanstalt aus, und was empfindet man, wenn man sich einmal in ihren Mauern aufhält? Das Zuger Privileg wollte auch über Sinn und Zweck nachdenken. Zur Diskussion eingeladen waren Annette Jolin, deutsch-amerikanische Kriminologin, Eva Wyss, damals zuständig für das nationale Forschungsprogramm zum Thema Gewalt in der Schweiz, der Sicherheitsdirektor des Kantons Zug, Hanspeter Uster, und der Leiter der Strafanstalt Bostadel, Linard Arquint. Einig waren sich alle Teilnehmer in ihrer Skepsis gegenüber einer der kostspieligsten Arten, Menschen unterzubringen – und das noch gegen deren Willen. Was aber statt dessen? Wenn es doch nur eine wirklich überzeugende Antwort gäbe! Überschrieben war die Einladung mit „Der schwarze Kasten“. Damit war auf die Tatsache angespielt worden, dass in der „blackbox“ Gefängnis etwas abläuft, das sich von aussen nicht beobachten lässt. Nach dem Besuch und der Diskussion war aus der blackbox ein Mysterium geworden: Irgendwie wirkt es. Was es bewirkt, bleibt rätselhaft – aber unverzichtbar. 

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