ZUGER PRIVILEG
 

Seele und Krankheit, 20. Februar 2001


Zu diesem im wahrsten Sinne des Wortes denk-würdigen Anlass hat das Zuger Privileg einen Provokateur eingeladen. Matthias Beck ist Pharmazeut, Arzt und katholischer Theologe. Er forscht und lehrt in München und Wien. Eines seiner Spezialgebiete ist Krebs. Etwas salopp ausgedrückt: Er versteht etwas von „hard sciences“. Gleichzeitig ist er Theologe aus Leidenschaft. Seine These: Das Menschenbild der Medizin ist zu eng, weil es den Menschen nicht in dem umfassenden Sinnzusammenhang deutet, der doch erst das Wesen des Menschen ausmacht. Krankheit hängt mit dieser geistigen und auf Gott bezogenen Welt zusammen, und die wissenschaftlich beschreibbaren Vorgänge sind lediglich Ausdruck einer Krise, in der sich der kranke Mensch befindet. Becks Provokation: Für ihn ist das geistige Geschehen die eigentliche Realität, die körperlichen Abläufe kommen erst an zweiter Stelle.

Zu diesem Abend waren auch einige Fachärzte erschienen. Wie würden sie diese Provokation aufnehmen? Die Diskussion, die sich Becks Vortrag anschloss, verlief ruhig und sachlich und wurde immer intensiver: Wenn es einen Gott gibt, wie kann er Krankheit zulassen? Und wie lässt sich noch Sinn finden, wenn ich unheilbar krank bin? Diese Fragen drücken aufs Gemüt, aber Beck beantwortete sie so, dass geradezu eine gelöste Stimmung entstand. In gehobener Stimmung setzte man sich noch in einem Restaurant zusammen. Da meldeten sich im privaten Gespräch die Fachärzte zu Wort. Sie fühlten sich von Matthias Beck nicht angegriffen, im Gegenteil, sie hatten Gefallen an seinen Ausführungen gefunden. 

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