ZUGER PRIVILEG
 

Zwielicht zwischen den Fronten, 10. September 2001


Vortragssaal der Polizei Zug

Die Mafia hat eine eigene Kultur geschaffen. Da gibt es die omertà, das Schweigegebot, das die verschlossenen Münder zur Ehrensache der „Familien“ macht. Auf der Seite derjenigen, die die Mafia staatlicherseits bekämpfen, haben sich auch eigene Spielregeln herausgebildet, die nicht in allen Punkten mit der staatlichen Rechtskultur übereinstimmen. Diejenigen, die die Mafia ausforschen, aushorchen und bekämpfen, befinden sich in der Spannung vorgetäuschter Loyalität gegenüber den Kriminellen und der vom Staat geforderten Legalität ihres Handelns. Ein Konflikt, der sich kaum auflösen lässt. Gibt es ein Privileg des Mafiabekämpfers, dem zufolge er sich nicht wirklich legal verhalten muss?

Der prominenteste Mafiajäger der Schweiz ist Fausto Cattaneo, Nach höchsten Auszeichnungen fiel er schlagartig bei Politik und Justiz in Ungnade und machte eine schwere persönliche Krise durch, die er in einem Buch schilderte. Ihn lud das Zuger Privileg zu einem Abend ein, an dem auch der Sicherheitsdirektor Hanspeter Uster teilnahm. Uster hat einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität gelegt.

Der Vortragssaal der Polizei war voll besetzt, die Diskussion lebhaft. Keiner konnte ahnen, dass die Koordinaten unserer Welt schon am nächsten Tag und dann noch einmal am 27. September grundlegend erschüttert werden würden. 

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