ZUGER PRIVILEG
 

Spuren der Persönlichkeit, 08. Juni 2004



Wer schreibt, hinterlässt auch ungewollte Spuren. An seinen Formulierungen kann man feilen, an seiner Handschrift kaum. Denn sie ist eine Form der Körpersprache, weitgehend unbewusst und praktisch nicht zu beeinflussen. Dass Graphologen oder besser „Schriftpsychologen“ wie Marguerite Spycher lieber sagt, sich mit einer Art Körpersprache beschäftigen, entmythologisiert die Deutung der Persönlichkeit aus der Handschrift. Denn die Bedeutungen körpersprachlicher Ausdrücke lassen sich rational verstehen. In gewisser Weise hat Marguerite Spycher mit dieser Erklärung einen Teil ihrer Auftraggeber rehabilitiert. Denn es ist nur zu bekannt, dass auch grosse Unternehmen graphologische Gutachten von ihren Bewerbern anfertigen lassen. Gerne wird darüber nicht gesprochen, und so konnte man immer wieder den Verdacht haben, dass Personalchefs sich geradezu okkulter Praktiken bedienen, um irgend jemanden aus der Bewerberflut zu fischen. Das ist aber nicht der Fall, zumindest wenn sie Experten wie Frau Spycher zu Rate ziehen.

Wer zeichnet oder malt, hat auch eine „Handschrift“. Passt die mit der Schreibschrift zusammen? Eine spannende Frage, und der widmete Marguerite Spycher den grössten Teil dieses Abends. Sie konnte diese Zuordnungen plausibel machen, aber „the test of the pudding ist he eating“. Wenn das alles so plausibel ist, dann müssten jedem normalen Menschen richtige Zuordnungen gelingen. Also hat das Zuger Privileg Zuger Künstler gebeten, Zeichnungen und Handschriften zur Verfügung zu stellen. Das Publikum sollte beide zusammenbringen. Das gelang tatsächlich erstaunlich gut. Nur bei Johnny Potthof nicht. Der hatte einen Ghostwriter engagiert. 

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