ZUGER PRIVILEG
 

Ach ja, die Suppe. Matinée im Brandenberg, 20. Februar 2005


Restaurant Brandenberg Zug

Unsere Welt wird immer praktischer. Wer kennt nicht die vielen kleinen Helfer in der Küche, die aus Päckchen, Tüten oder dem Tiefgefrierer kommen und in kürzester Zeit als Suppen, Pizzas oder andere Fertiggerichte den Esstisch füllen. Gemessen an ihren tatsächlichen Ingredienzien ist ihr Geschmack phänomenal, verweist aber lediglich auf den hohen Stand der Nahrungsmittelchemie. Mit „Nahrung“ hat dieser Geschmack eigentlich nichts mehr zu tun. Mit dieser zweifelhaften Emanzipation beschäftigt sich der Journalist Hans-Ulrich Grimm. In zahlreichen Büchern prangert er den Betrug an, mit dem die Nahrungsmittelindustrie unsere Geschmacksnerven manipuliert. Eine Hühnersuppe für vier Personen schmeckt nach „Huhn“, obwohl von einem Huhn kaum 20 Gramm vorhanden sind. Aromastoffe führen uns gezielt in die Irre, andere Zusatzstoffe – Cola light! - sind sogar schädlich. Täglich sind wir einem Disneyland der Nahrungsmittel ausgeliefert, das unseren Appetit kolonisiert.

Wie kann man dieser dicken Post eines kenntnisreichen und leidenschaftlichen Autors begegnen, ohne sich ein für allemal den Appetit verderben zu lassen? Natürlich – die Antwort liegt nahe – mit dem Brandenberg, in dem wieder einmal köstlich gekocht wurde:
Ein Suppenbuffet ganz ohne Duftstoffe und Zusätze. Zum Dessert gab es Vanille-Glace mit richtiger Vanille gemacht (etliche Besucher fanden, dass die Glace vom Kiosk aber mehr nach Vanille schmecke). Das kann wohl sein, Givaudan sei dank. Und so hielt Hans-Ulrich Grimm seinen Vortrag, nicht ohne zu bekennen, dass auch er einen guten Zwiebelrostbraten nicht verachte. – Danach soll in Zug der Verkauf von Fertiggerichten für kurze Zeit drastisch eingebrochen sein. Aber das ist natürlich nur ein Gerücht. 

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