ZUGER PRIVILEG
 

Pistolenknall und Harfenklang, 01. Oktober 2006

Ein Sonntagvormittag mit zwei nicht sonntäglichen Gästen

Gleich und gleich gesellt sich gern – dieser Spruch lässt nichts Gutes ahnen. Sind doch Gesellen, auf die man diesen Satz anwendet, in der Regel schlecht beleumdet. Für die angesehenen Zeitgenossen findet man andere Worte. Da würde man eher „herausragend“ als „gleich“ sagen. Heinrich Heine war ein Querkopf. Gesegnet mit Geist, begabt mit Sprache und geschlagen mit seiner Spottlust. Oder umgekehrt? Gesegnet mit Spottlust, begabt mit Geist, geschlagen mit Sprache? Oder: Geschlagen mit Geist? Wer weiss das schon so genau? Heute, aus dem Abstand von bald 200 Jahren, regt sich natürlich niemand mehr über ihn auf. Oder doch? Matthias Matussek regt sich auf. Und da ist eben dieses „Gleich zu gleich“. Heine regt ihn so auf, wie eine Liebe aufregend ist. In seinem vielschichtigen Buch über „Wir Deutschen, Warum uns die anderen gern haben können“, steht Heine neben Harald Schmidt, Heiner Müller, Heidi Klum oder „meine Frau“. Oder Joschka Fischer. Oder die Dresdner Frauenkirche. Aber das Kapitel über Heine hat eine besondere Melodie. Es schlägt ein „neues Lied“ an. Gleich und gleich … Matussek ist nicht Heine, natürlich nicht, aber er ist ein Kumpan. Da trifft ein Geist auf den anderen, und beide fangen an zu schwingen, als läge keine Zeit zwischen ihnen. Zeit für das Zuger Privileg.
Der Spötter Matussek, Topjournalist des SPIEGEL aus Hamburg, ganz bescheiden in Rotkreuz an einem Sonntagvormittag, um über einen Geistesverwandten zu sprechen.
Der Kreis war klein, geradezu intim. Ja, da wurden auch Freundschaften geschlossen.
 

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