ZUGER PRIVILEG
 

Lesen und Klettern, 09. Mai 2005


Die Jahresversammlung stand ganz im Schatten des Matterhorns. Wir luden Hannes Taugwalder, den 95 jährigen Walliser Schriftsteller ein, der in Zermatt aufgewachsen war, um Geschichten und Gedichte zu hören.
Rachel Eisenhut, Klavier und Lisette Steiner, Sopran engagierten wir um Lieder zu hören, die Eugen Meier, Musiklehrer in Brig, nach Gedichten von Hannes Taugwalder komponiert hat.
Eine schöne, witzige, urtümliche, überraschende Welt tat sich auf:

Der Blüsuchnopf

Im Summerwind,
im Summerwind
z´Josi und z´Klari umschlunge sind,
z´Josi und z´Klari umschlunge sind.

Aes rüscht im Wald,
äs rüscht im Wald,
z´Josi und z´Klari heiratunt bald,
z´Josi und z´Klari heiratunt bald.

Chunt z´Klari hei,
chunt z´Klari hei,
het´s uberall am Rock no Ströi,
het´s uberall am Rock no Ströi.
"Dü arma Tropf,
dü arme Tropf,
diär fehlut ja än Blüsuchnopf,
diär fehlut ja än Blüsuchnopf!"

"Das seit mu gschwind,
das seit mu gschwind,
bi dem leidu cheibu Wind,
bi dem leidu cheibu Wind."

Aber auch das unsägliche Los des kleinen Hannes Taugwalder vernahmen wir. Die Pfuscharbeit des Zermatter Dorfarztes, der wegen einem eigentlich harmlosen Armbruch einen Bub zum Krüppel werden liess.
Und das etwa gleich üble Schmierentheater der Versicherung, das die Familie an den Rand des Elends brachte.

Die Mischung der Gedichte, der Lieder und der unglaublichen Geschichte aus dem Wallis löste helle Begeisterung und Entsetzen aus. Das war ein Heimatabend der besondern Art.

Zuvor hatten wir die Jahresversammlung im voll besetzten Kellertheater. Haupttraktandum: die Wahlen. Brigitte Moser und Stephan Wehowsky, beides Mitinitianten des Zuger Privilegs traten aus dem Vorstand zurück. Beide hatten viel dazu beigetragen, dass das Zuger Privileg zu dem wurde, was es heute ist. Stephan hat ganz besondere Verdienste für seine Texte, sei es für Einladungen zu den Anlässen, vor allem aber für die Begleittexte der Ausstellung im Kunsthaus vom 27. August 2000. Er und Brigitte waren gute Mitdenker und Macher. Ganz herzlichen Dank für die grosse Arbeit, die die beiden geleistet haben.
Neu wurde Barbara Schmutz, Journalistin aus Steinhausen gewählt (sie arbeitet bei der "Annabelle" in Zürich).

Wir haben jetzt 300 Mitglieder und 28 000 Franken Budget.
Es geht uns gut.  

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