ZUGER PRIVILEG
 

Fest der Farbe, 24. August 2007



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„Himmelblau und Abendrot – woher die Farbe kommt“

Eine Ausstellung des Zuger Privilegs

„Himmelblau und Abendrot“, so hiess der Titel der Ausstellung, welche das Zuger Privileg anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums im Kunsthaus Zug ausrichtete. Ein attraktiver Ausgangspunkt, wie sich während dreier Tage zeigte. Lustvoll wandelte das zahlreich erschienene Publikum auf einem ebenso einfachen wie einsichtig angelegten Parcours der Sinne. Bereit zu alltäglichen, vergnüglichen, poetischen und aufschlussreichen Begegnungen mit dem Phänomen Farbe.

Die Ersten Farben der Menschheit führten in die Ausstellung ein: Rot, Gelb, Schwarz und Weiss. Auf nüchternen Schalttafeln, die auf Zementrohren ruhten, waren ihre Ausgangsmaterialien zu bestaunen: brauner und roter (gebrannter) Ocker, Holzkohle und Möwendreck. Profane Ausgangsstoffe für die Gewinnung von Gelb und Rot sowie für Weiss und Schwarz. Die Höhlenkunst ist das älteste Zeugnis dafür, wie früh Menschen diese Pigmente verwendet haben.

Farbe aus Steinen. Farbe war einst ein Luxusgut. Kostbare Materie, Hochprozentiges für die Einbildungskraft. Das boten im Kunsthaus Zug auf zwei schlichten langen Tischen aus Glas eine Vielzahl von Pigmenten und ihre mineralischen Ausgangsmaterialien, präsentiert in einer warmen und kalten Farbenreihe. Lapislazuli, ein tiefdunkelblaues Mineral, gehört auch heute zu den ältesten und wertvollsten Pigmentrohsteinen.
Der deutsche Chemiker Georg Kremer war in Zug ein wichtiger Gast. Aus seiner Unternehmensproduktion stammten in der Ausstellung die präsentierten Pigmente. Georg Kremer, war wie kein anderer dazu berufen, das Publikum am Freitag in die Kulturgeschichte der Farbe einzuführen. Dass das Wissen um die Herstellung hochwertiger natürlicher Farbpigmente trotz synthetischer Farbherstellung nicht vergessen gegangen ist, verdanken wir nicht zuletzt diesem passionierten Fachmann.

Farben des Lichts. Die Ausstellung legte auch Brücken zu wissenschaftlichen Fragestellungen und Erkenntnissen. Wir wissen heute: Wo weisses Licht ist, sind andere Farben mit im Spiel. Es war der Physiker Isaac Newton, der die Natur des Lichts, insbesondere das Verhältnis von Licht und Farbe, systematisch erforscht hat. Die Lichtinstallationen in der Ausstellung erlaubten Jung und Alt für einmal, selber zu überprüfen, zu experimentieren und auf spielerische Weise Gewusstes zu erweitern.

Die Farben der Menschen. Oft nutzen wir unseren Körper gleich selbst als Leinwand. Wessen Haar ist heute nicht gefärbt? Wessen Lippen nicht geschminkt, wessen Nägel ohne Farbe? Wie reich die Farbpalette ist, die uns dabei heute zu Gebote steht, konnte das Publikum für einmal statt im Kaufhaus im Kunsthaus studieren. Lippenrot in 24 Varianten, Lidschatten, Wangenrouge und Fond de Teint – fast grenzenlos.
Hier wie in der Farb-Werkstatt der Museumspädagogin Sandra Winiger konnte man selbst Hand anlegen. Farbe ist zum Brauchen da.

Farben, die duften. Eine duftige Hommage an die unterschiedlichen Farbkreise und Farbtheorien, die im Laufe der Zeit von klugen Köpfen ersonnen worden sind, stellte der 24-teilige Farbkreis aus Blumen. Rosen, Gladiolen, Astern, Margeriten…So viele Blumen, so viele Farben, so viele Düfte.

Farben des Alltags. Der Alltag mischt seine eigeneFarbpalette: Der Spagettifleck auf blütenweissem Hemd, die lila Weinlache auf dem kostbaren Spitzentischtuch oder der Grasfleck auf dem Minijupe. Hier durfte geschmunzelt werden.
Leichthin machte die Ausstellung klar: Unsere alltägliche Welt ist bunt, farbig aus Zufall. So auch die Farbe Indigo, die Farbe des Klassikers der modernen Alltagskleidung – der Jeans. Indigo aus Waid und echtes Indigo aus Indien, die alten Farben der Blaufärberei, konnte man nebeneinander betrachten und vergleichen.

Farben zum Schmecken. Gewürze aus Indien. Von Safran bis Gelbwurz. Dazu aus der Gegend eine Vielzahl von Früchten und Gemüsen – Eierschwämmli, Peperoni, Kartoffeln. Zwetschgen, Trauben, Birnen, Zitronen. Die Farben, die auf diesen Paletten lagen, gingen nicht nur ins Auge. Manche schien man auf der Zunge zu schmecken. Andere spürte man förmlich im Magen.

Als Klammer zum Eröffnungsreferat von Georg Kremer, – ein ebenso aufschlussreiches wie unterhaltendes Referat am Sonntag, zum Abschluss der Ausstellung. Ausgehend vom Phänomen der Himmelsfarben sprach Dr. Katrin Trautwein, Besitzerin des weltweit einzigen Unternehmens mit der Lizenz zur Herstellung der berühmten Le Corbusier Farben, über aufregende Farbphänomene in der Kunst.
Aus Katrin Trautweins Unternehmen kt.Color aus Uster stammten die Farben auf den zwei grossen Wandflächen, die einen Fetzen Himmel ins Kunsthaus zauberten: Le Corbusier Bleu ciel einen Schuss Himmelblau; „Hot Magenta einen Tropfen Abendrot.“
Himmelblau und Abendrot – Kunsthaus Zug, 23. bis 26. August 2007
 

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