ZUGER PRIVILEG
 

Ein spezieller Sonntag im Napfgebiet, 16. September 2007



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Eine Bettagsreise ins Napfgebiet

Ein Bilderbuch-Betttag war’s. Ideal für die kleine (Zeit)-Reise ins Napfgebiet, auf den Bramboden im Entlebuch.
Eines der verstreuten Gehöfte in der stark modellierten Hügellandschaft ist das Ziel. Familie Wicki erwartet die Zuger Gäste hier. Genauer beim Kohlemeiler, der nur wenige Meter entfernt liegt.
Der schwarze Vulkan in Miniformat verströmt verhalten rauchige Luft. Wickis haben ihn am Vorabend für das Publikum in Gang gesetzt. Er ist die Attraktion, welche sofort das Interesse der Besucher auf sich zieht. Modelle geben den Blick in sein Inneres frei und helfen, den Vorgang der traditionellen Holzkohlegewinnung Schritt für Schritt nachzuvollziehen.

Es wäre nicht ein Ausflug des Privilegs, würden nach Carfahrt und Fussmarsch nicht auch leibliche Bedürfnisse befriedigt. Der bereitstehende Aperitif erfrischte und machte wieder fit.
Die ungeteilte Aufmerksamkeit richtet sich dann auf die Ausführungen von Doris Wicki – eine wunderbar konkrete Lektion in Sachen Nachhaltigkeit für die ca. 70 Privilegierten aus dem boomenden Wirtschaftskanton.
Für die Familie Wicki, wie für andere Köhler der Region, ist dieses traditionelle Handwerk nicht l’art pour l’art. Es ermöglicht den Bergbauern, dass sie nicht auswärts nach zusätzlichem Verdienst Ausschau halten müssen. Landschaft, Handwerk, Tradition – alle drei sind für Familien wie die Wickis wichtig.
Doris Wicki, ursprünglich Coiffeuse, ist so zur gewieften Köhlerin und schweizweit professionellen Botschafterin in Sachen Köhlerei geworden. Auf Anfrage baut sie, wo gewünscht, mit Helfern und Helferinnen Kohlemeiler auf und betreibt sie, um Wissen und Interesse an diesem traditionellen Handwerk zu erhalten.
Zeitintensiv ist die Köhlerei. Und viel Erfahrung ist nötig. Hart wird’s in der Nacht. Alle zwei Stunden muss Doris Wicki auch in der Nacht kontrollieren, ob alles in Ordnung ist.

Damit nicht genug. Nachhaltigkeit ist auch das grosse Thema von Simon Meier, eines anderen Gastes und Referenten auf dem Bramboden. Nachhaltigkeit ist der Leitfaden für viele unterschiedliche Projekte, die der initiative Forscher auf die Beine gestellt hat. Ein Beispiel ist der Werkzeitraum, das schweizerische Kompetenzzentrum für historisches Handwerk in Schüpfheim. Das Entlebuch ist ein exzellenter Boden für diese neu geschaffene Institution. Meiers Interesse gilt dabei vor allem den zukünftigen Herausforderungen. Deshalb interessiert man sich in Schüpfheim nicht allein für alte Gegenstände und Werkzeuge, sondern noch mehr für Wissen, Technik und Erfahrung, die damit verbunden sind, aus gutem Grund. Die Menschen können es sich nicht leisten, dieses Know-how verschwinden zu lassen, davon ist Simon Meier überzeugt. In Zeiten knappender werdender Ressourcen geben gerade sie wichtige Hinweise auf die Weiterentwicklung zukunftsträchtiger und nachhaltiger Techniken und Funktionsweisen, die in Zukunft unverzichtbar sein könnten.
„Alles aus der Region“ – auf diese Strategie setzten notabene nicht nur das Entlebuch, sondern auch die Veranstalter dieses Ausflugs, Toni Camenzind und Annlis Wismer. Für die gesamte Verköstigung der Privilegierten galt konsequent: ob Würste, Birnweggen oder Kafi Schnaps – alles Made in Entlebuch! Und den (Köhler-) Senf dazu lieferte Stefan Wiesner, der bekannte Gastronom aus Escholzmatt. 

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