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"Schwanenwelten" - Vexierspiel in der Papierfabrik, 27. November 2007

Im Zeichen des Schwans
Unwillkürlich sind wir zum verschworenen Haufen geworden. Ein Schwanendrink für alle! Der Apero im Eingangsbereich des weitläufigen Areals der Papierfabrik Horgen hat uns eingestimmt. Der Genius loci wirkt. Die Performance kann beginnen.
Hans-Peter Litscher, Schweizer Konzeptkünstler mit Wohnsitz in Paris, führt uns.
Die Türen, die sich dem Publikum öffnen, geben den Blick frei auf eine schwach beleuchte Unterwelt. Schwäne überall: schwarze, weisse, ausgestopfte. Leise perlt Musik im Hintergrund, Tschaikowskys Schwanensee. Das ist die verwunschene Welt des Hilfsbuchhalters Hugo F. Hunziker. Die Grotte des Bayernkönigs und Schwanenverehrers Ludwig II kommt einem in den Sinn. Nur kurz allerdings. Wir sind schliesslich in Horgen, nicht in Linderhof.
Ein Fall für Hans-Peter Litscher. Dokumente, Alltagsgegenstände, Fotographien, Büchern, Platten auf langen Tischreihen sorgfältig geordnet, suchen einen Autor. Einer, der der dieser Fülle gewachsen ist.
Also erzählt Hans-Peter Litscher. Wie das Verhängnis Hugo F. Hunziker in Gestalt einer Schwänin ereilt hat. Wie im zartesten Jugendalter dieses Federvieh dem Knaben die Hoden entriss. Und wir erkennen: Am Anfang war das Trauma. Von da an ist nämlich alles anders in Hugos Leben. Er will von nun an alles über Schwäne wissen. Und er will alles horten, was er über sie wissen kann: Geräusche von Schwänen, Bücher über Schwäne usw.
Hans-Peter Litscher ist in seinem Element. Ein Fest für den Fabulierer und Spurensucher.
So spielen sich Sammler und Erzähler listig in die Hände. Jeder Gegenstand eine (wahre) Geschichte. Für jedes Detail ein Dokument. Die von Hunziker hinterlassene Welt ist voller Spuren und Anhaltspunkte. Litscher folgt den einen und rekonstruiert die anderen. Und führt beides in immer neuen Ansätzen zu einer Biographie zusammen.
Im seinem Munde wirkt alles möglich und zugleich abenteuerlich. Seine Lebensgeschichten funktionieren wie ein Kaleidoskop. Kein Problem also, dass man angesichts der schnell anwachsenden Daten- und Geschichtenfülle die Kontrolle verliert. Man darf sich von den Rekonstruktionen treiben lassen - bis nach Hollywood und weiter. Hunzikers Schwanenwelt verbindet noch das Disparateste. Der Eiervernichter wird unter der Hand zum verhängnisvollen Schwanenvernichter. Die schwarze Schreibmaschine mit den Namen der Mutter – Erika – verwandelt sich in Sekundenschnelle zum therapeutischen Schlaginstrument.
Und – Hunzikers Fixierungen schaffen ihm auch Verwandte im Geiste, die unterschiedlicher nicht sein könnten: die Schwimmerin und Schauspielerin Esther Williams, Elvis, Tina Turner, Rudolf Nurejew, sie alle sind heimliche Fixsterne an seinem Schwanengestirn. Obsessionen verbinden, ein hintergründiges und vergnügliches Spiel.  

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